Problem

Das heutige Geldsystem ist kompliziert und undurchsichtig. Das ist im Interesse der Banken. Nachdem sich die modernen Nationalstaaten nach ihrer Gründung darum bemühten, die Geldmenge zu kontrollieren, haben die Banken sich im Verlauf des 20.Jh. durch die Möglichkeiten des elektronischen Zahlungsverkehrs dieser Kontrolle wieder entzogen. Heute wird über 90% des Zahlungsvolumens unbar abgewickelt. Das heisst, meist wird nicht mit Geld bezahlt, sondern mit Guthaben. Guthaben auf Geld, das die Banken nicht haben. Während immer weniger Kunden Bargeld beziehen, reduzieren insbesondere grosse Banken ihren Bargeldbedarf durch Verrechnungssysteme und Interbankkredite noch weiter. Das von der Nationalbank kontrollierte Bargeld spielt eine immer kleinere Rolle, während die Bankguthaben zunehmend die Geldmenge bestimmen. Im Gegensatz zur Nationalbank sind die Geschäftsbanken nicht dem Allgemeinwohl sondern den Interessen ihrer Aktionäre verpflichtet. Um ihre Gewinnchancen gross und das Verlustrisiko klein zu halten, weiten die Banken ihre Geschäfte, insbesondere die Kreditvergabe, während des Aufschwungs aus und reduzieren sie während der Krise. Dadurch schwankt die Menge der Guthaben, die den Bankkunden zu Zahlungszwecken zur Verfügung steht prozyklisch. Die Banken heizen den Aufschwung an, indem sie zusätzliche Guthaben zur Verfügung stellen und reduzieren die verfügbaren Guthaben in der Krise, wenn die Bankkunden sie am nötigsten hätten.

Die unkontrollierten Geldmengen fliessen grösstenteils in (spekulative) Finanzprodukte und dienen nicht der Realwirtschaft.

Im Weiteren verschulden sich die Staaten im heutigen „fraktionalen Reservesystem mit multipler Kreditgeldschöpfung“ bei den privaten Banken mit Guthaben, obwohl das Geldschöpfungsmonopol gemäss Verfassung beim Staat liegt.

Weitere Hintergründe erfahren Sie unter http://vollgeld.ch/text und http://vollgeld.ch/video.

.

Advertisements
  1. Raymond Bursch
    16. Oktober 2011 um 08:46

    Wenn ich Sie richtig verstehe, so wird die Nationalbank in ihrer volkswirtschaftlichen Aufgabe zugunsten des Allgemeinwohls durch die Ausweitung der Giroguthaben durch die grosse Banken „ausgegrenzt“, indem die grosse Banken durch Kreditvergabe (=Kaufkraftschöpfung) die Geldmenge und schlussendlich die Konjunktur beeinflussen? Ich war immer der Meinung, dass die Buchgelder (Giroguthaben) in der Geldmengenstatistik der Nationalbank ebenfalls aufgeführt sind, im Sinne einer gemeinsamen Kontrolle der Geschäftsbanken mit der Nationalbank im Sinne des Allgemeinwohls.

  2. 17. Oktober 2011 um 19:39

    Guten Tag Herr Bursch.
    Wie sie richtigerweise schreiben, erfasst die Nationalbank in ihren Statistiken auch das Buchgeld (Giroguthaben und Guthaben auf Transaktionskonten). Die Nationalbank kontrolliert das Buchgeld in dem Sinne, dass sie regelmässig nachfragt, wie viel es davon bei welcher Bank gibt. Die Nationalbank kann aber den Banken keine Vorgaben machen, um eine volkswirtschaftlich nützliche Geldmengenentwicklung herbeizuführen. Sie kann erst im Nachhinein auf die Finanzmarktsituation reagieren.
    Für den Verein Monetäre Modernisierung,
    Martin Jung

  3. 7. März 2012 um 14:04

    Eigenartigerweise ist der Mechanismus des „Kreditsystems mit fraktionaler Reserve“, wie es so harmlos heißt, von unglaublicher Einfachheit und Wirksamkeit. Im Grunde handelt es sich um einen „Taschenspielertrick“, nichts anderes. Umso erstaunlicher, dass die allermeisten Menschen, selbst studierte Ökonomen, das Funktionieren und die Auswirkungen dieses Systems auf unser tägliches Leben nicht kennen und sogar Hemmungen haben, genauer nachzufragen. Mich hatte mein Grossvater 1954 über diesen Mechanismus aufgeklärt. Als ich 1970 meine Kommilitonen im Ökonomiestudium in Zürich aufklären wollte, wurde ich zum „Spinner“ erklärt. Deswegen bin ich jetzt umso glücklicher um das Bestehen ihres Vereins zu wissen. Mit besten Wünschen zum Gelingen ihrer Initiative.

  4. gn
    2. Mai 2012 um 19:20

    „Buchhaltung“ ist das Zauberwort! Es ist nämlich noch viel einfacher diese Thematik aufzuzeigen bzw. beweisen, mittels Bilanz-Buchhaltung und der damit zusammenhängenden Buchungen der Bank. Und jeder sog. Ökonomie-Student würde es auf Anhieb verstehen. Wenn nicht, benötigen diese wohl Nachhilfe-Unterricht in Buchhaltung.

  5. 6. November 2012 um 01:43

    sonst erhält die Leserschaft im Artikel vom 5.11.2012 in der NZZ unter Börsen und Märkte Seite 21, Nachhilfe über die „neusten Erkenntnisse“ der Ökonomen des IWF Benes und Kumhof, Vorgehen zur Sanierung von Staatsschulden. Der Artikel zielt genau in die Richtung der Monetativeanhänger!

  6. 6. November 2012 um 21:57

    Hier gehts zum oben im Kommentar erwähnten NZZ_Artikel:
    http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/boersen_und_maerkte/debatte-um-annullierung-von-staatsschulden-1.17759016
    Hier gehts zur MoMo-Stellungnahme zum im Artikel erwähnten IWF-Arbeitspapier:
    http://vollgeld.ch/2012/08/20/vollgeld-iwf-workingpaper/

  7. 15. November 2012 um 16:40

    Wenn ich das richtig verstanden habe sind also die Kapitalkosten bei einer Kreditvergabe für eine Geschäftsbank fast = Null, da sie das Giralgeld aus dem Nichts erschaffen können und höchstens 2.5% davon als Absicherung halten müssen.
    Wieso gerät eine Bank dann in Schwierigkeiten wenn die Schuldner ihre Kredite nicht zurückzahlen können? Der Kredit wurde ja aus dem Nichts erschaffen und kostet die Bank praktsch nichts.

    • 19. November 2012 um 22:13

      Besten Dank für das Nachfragen!
      Ganz kurz gesagt: Wenn die Schuldner nicht mehr zurückzahlen können, was sie aufgrund der Kreditvergabe aus dem „Nichts“ durch die simple Bilanzverlängerung der Bank erhalten haben, kommt die Bank in Schwierigkeiten, weil aufgrund der simplen Bilanzverlängerung der Schuldner ja auch gleichzeitig seine eigenen „Einlagen“ liefert. Wenn nun also der Schuldner seine „Einlage“ nicht bezahlen kann (sein vertragliches Versprechen den Banken den Kredit innert der vereinbarten Frist zurückzuzahlen), gerät die Banken-Bilanz ins Ungleichgewicht, weil die Einlagen nicht mehr „werthaltig“ sind, also abgeschrieben werden müssen. Der Schuldner hat aber den Kredit bereits kaufkräftig genutzt, also mit seinem Kredit-Guthaben Dinge gekauft. Das Buchgeld ist „draussen“, aber die „Einlage“ ist nicht mehr ebenbürtig….
      Bitte beachten Sie für ausführlichere Erläuterungen unsere FAQ’s zum Thema Geldschöpfung und Buchgeld: http://www.vollgeld.ch/faq
      z.Bsp: http://vollgeld.ch/faq/was-passiert-bei-der-kreditvergabe-durch-banken/
      oder detaillierter erläutert mit Bilanz-Grafiken:
      http://www.monetative.de/wp-content/uploads/karwat-klaus-vom-reservesystem-zur-monetative-darstellung-in-bilanzen-okt-2009.pdf
      Gerne geben wir detailiertere Auskünfte (samt Bilanz-Grafiken) per Mail oder Telefon.

  1. 17. August 2013 um 13:55

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: