Lösung

Drei zentrale Punkte:

Wiederherstellung des staatlichen Geldregals

Über 85% der kaufkräftigen Geldmenge besteht heute nicht aus Geld, sondern aus Guthaben bei Banken, die wie Geld benutzt werden. Der aktuelle Verfassungsartikel, in dem nur Münzen und Banknoten erwähnt sind, ist nicht mehr zeitgemäss. Das alleinige Recht des Bundes zur Ausgabe von Geld muss auch elektronisches Geld umfassen.

Girokonten werden separate Geldkonten

Die von uns heute als elektronisches Geld verwendeten Bankguthaben müssen durch gesetzliches elektronisches Zahlungsmittel abgelöst werden. In Zukunft soll man nur noch mit Geld bezahlen können, nicht mehr mit Guthaben. Um das zu gewährleisten muss klar zwischen Geldkonten (die elektronisches Geld enthalten, mit dem bezahlt werden kann) und Sparkonten (die Guthaben enthalten, mit dem nicht bezahlt werden kann) unterschieden werden.

Inumlaufbringung neuen Geldes durch Seigniorage

Heute wird neues Geld beinahe ausschliesslich per Kredit in Umlauf gebracht. Das Geld entsteht als Schuld. Von der Nationalbank per Kredit an die Banken und von den Banken per Kredit an Privatpersonen, Unternehmen und den Staat. Mit jedem Kredit steigt die gesamtwirtschaftliche Verschuldung. In Zukunft soll neues Geld hauptsächlich als Geldschöpfungsgewinn (Seigniorage) direkt dem Gemeinwesen zufliessen. Wenn Bund und Kantone neu geschaffenes Geld in Umlauf bringen indem sie damit einen Teil ihrer Ausgaben bezahlen, entsteht dadurch keine zusätzliche Verschuldung.

Eine Möglichkeit, wie diese Änderungen in der Verfassung (per Volksinitiative) verankert werden könnten, zeigt unser Entwurf für eine Geld- und Finanzmarktverfassung. (Ein Entwurf eines Initiativtextes mit ausführlichen Erläuterungen, Mai 2011).
Ein aktualisierter Verfassungstext-Vorschlag findet sich hier. (Stand Dezember 2012, jedoch noch ohne Erläuterungen)

Weitere Hintergründe erfahren Sie unter http://vollgeld.ch/text und http://vollgeld.ch/video.

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  1. 18. Dezember 2011 um 22:11

    Wenn Bund und Kantone neu geschaffenes Geld in Umlauf bringen indem sie damit einen Teil ihrer Ausgaben bezahlen, entsteht dadurch keine zusätzliche Verschuldung. – Das solltet Ihr fett markieren!

  2. LS
    20. Dezember 2011 um 16:26

    Im letzten Textabschnitt heißt es „Heute wird neues Geld beinahe ausschliesslich per Kredit in Umlauf gebracht. Von der Nationalbank per Kredit an die Banken und von den Banken per Kredit an Unternehmen und Privatpersonen“. Hier wäre noch wichtig zu ergänzen: „…und an den Staat / die öffentliche Hand / das Gemeinwesen“.

    • 7. Januar 2012 um 13:21

      Ihr Kommentar ist richtig. Der Text wurde entsprechend angepasst und lautet nun:
      „Heute wird neues Geld beinahe ausschliesslich per Kredit in Umlauf gebracht. Von der Nationalbank per Kredit an die Banken und von den Banken per Kredit an Privatpersonen, Unternehmen und den Staat.“.

  3. Uwe
    23. Januar 2012 um 15:18

    Was ich noch nicht ganz verstehe bzw. was daraus gemacht werden kann ist;
    Wenn das Giralgeld irgendwann durch die SNB’s dieser Welt kontrolliert wird und Kredite und hier speziell die Spekulative Tätigkeit nur noch durch Einlagen in Anlagekonten getätigt werden können, was kann alles mit dem Geld in den Anlagekonten gemacht werden und welche Konsequenzen kann das auf „den Rest“ der Gesellschaft haben?

    Wird es nicht so wie heute dazu kommen das alles Kapital welches nicht für Investitionen in „die Realwirtschaft und dort zum Aufbau von Produktionsstandorten und/oder Dienstleistungen etc.“ verwendet wird genau wie heute nur für Aktivitäten im Casinobetrieb verwendet wird?

    Wie kann der Regelbetrieb des Geldes der für die meisten Menschen wichtig ist vom Casinobetrieb getrennt bzw. geschützt werden? Ich gehe davon aus das es bald genügend Listigkeiten und Schlupflöcher geben wird bzw. diese ausgenutzt werden. Ich denke hier primär an die Spekulativen Kapitaltransaktion welche den Kredit-Investitions-Bedarf der Realwirtschaft übersteigen und zusätzlich noch an die zur Regel gewordenen Rendite- und Profitmaximierungen. Ist der Regelbetrieb oder anders die Realwirtschaft durch die Idee der Monetative geschützt, lässt sich das komplett trennen oder darf man nach wie vor ganze Unternehmen und deren Arbeiter durch simple Renditesteigerungen auspressen?

    Irgendwie habe ich den Eindruck das die einen plötzlich vom funktionieren der Monetative mehr abhängig sind als die anderen. Blos wer wird das sein… und welche Kontroll und Korrekturmöglichkeiten bzw. Rechte stehen den beiden Seiten zur Verfügung?

    Ich hoffe ich hab mich da verständlich ausgedrückt…

    • 30. Januar 2012 um 23:13

      Hallo Uwe,
      deine Frage nach „was kann alles mit dem Geld in den Anlagenkonten gemacht werden“ kann ich wie folgt beantworten:
      Nach einer Vollgeldreform wird es Geldkonten und eben Anlagekonten geben.
      Zunächst kurz zu den Geldkonten:
      Geldkonten bzw. Transaktionskonten in einem Vollgeldsystem (z.B. für den täglichen bargeldlosen Zahlugsverkehr) sind Geldguthaben, welche vollständig im Besitz des Kontoinhabers sind. Diese Konten werden ausserhalb der Bankenbilanz geführt. Bei einem Konkurs fallen Sie nicht in die Konkursmasse, gehen also für den Kunden nicht verloren. Sie entsprechen einem physischem Banksafe. (Das heutige Giralgeld dagegen ist bloss ein Versprechen auf Bargeld. Im Falle eines Bank-Konkurses kann es für Kunden im schlimmsten Fall zu einem Totalvelust kommen).
      Nun zu den Anlagekonten:
      Beschliesst jemand sein Geld anzulegen, um damit einen Zins oder einen Gewinn zu erwirtschaften (lassen), so geht er ein (möglicherweise unbekanntes) Risiko ein. Dieses Risiko wird durch eine Vollgeldreform nicht berührt und soll auch nicht berührt werden (wieso auch). Man könnte dies auch als unternehmerisches Risiko bezeichnen. Typischerweise gilt der alte Grundsatz: je höher das Risiko, desto höher kann der Gewinn sein (aber auch der Verlust, bis hin zu einem Totalverlust des Einsatzes). Dieses Prinzip wird hier nicht angefasst. Wer sein Geld in welche Investitionen (Realwirtschaft) oder Spekulationen („Casino“) steckt und ob und wie man hier eine Regulierung für welchen Bereich fassen sollte ist nicht Thema der Monetative.
      Was aber gesteuert wird, ist die Geldmenge. Und damit kann man einige Exzesse eindämmen (die Vollgeldreform bringt noch weitere Vorteile mit sich…)
      Die Geldmenge wird nicht mehr prozyklisch durch Geschäftsbanken nach eigenem Gutdünken erzeugt (Boom: im Übermass, Flaute: Geldknappheit), sondern eben durch die unabhänge Monetative. Es ist also davon auszugehen, dass in einem Vollgeldsystem die Spekulationsblasen nicht oder nicht in diesem Übermass entstehen werden. Und damit wäre schon sehr viel erreicht.
      Zusammengefasst (Vollgeldreform): Wer sein Geld sicher haben will, bleibt auf dem Geldkonto (ohne Zins). Wer einen Zins haben will, der sucht sich das passende Finanzprodukt aus (Risiko). Die Realwirtschaft operiert auf sicheren Geldkonten mit sicherem Geld. Die Finanzwirtschaft arbeitet mit der kontrollierten Geldmenge, welche die Monetative geschaffen hat (und nicht beliebig mehr). Die Finanzwirtschaft wirbt Kundengelder gegen Guthabenzins ein (=Einlagen) und vergibt Kredite an die Realwirtschaft gegen Zins (Zinsdifferenzgeschäft der Banken).
      Grüsse
      Harald

    • 31. Januar 2012 um 00:21

      Hallo Uwe,
      Ja, wenn die Leute nach der Vollgeldreform ihr Geld (ver)spekulieren wollen, können sie das natürlich weiterhin – mit denselben Folgen.
      ABER es sind dann „bewusste“ und gezielte Teilnehmer dieser Spekulation, welche ihr Geld oder dasjenige das sie sich gegen Darlehen (Kredit) ausleihen konnten einsetzen.
      Das heisst auch in einer Vollgeldreform braucht es weitere Reformen…die Vollgeldreform allein verhindert die Spekulation nicht, dazu müssten solche „ausufernden Spiele“ verboten werden….wie zum Beispiel Pyramidenspiele (Kettenbriefe-Systeme) ja auch verboten sind oder das Pokerspiel nur in „abgegrenter/geschützer“ Umgebung (eines Casinos) erlaubt ist !
      Aber in der Vollgeldreform ist es zumindest (wieder) so, dass die „Spekulanten“ sich explizit dafür entscheiden müssen mit IHREM Geld ins Casino zu gehen. HEUTE gehen die Banken mit unserem Geld (ohne unser explizites Einverständnis!) ins Casino bzw. mit ihrem selbstgemachten Geld und bei (zu) grossem Verlust müssen wir als Bürger/Staat einspringen….Das ist unhaltbar!
      Die Vollgeldreform stoppt somit die Spekulations-EXZESSE ! Die Vollgeldreform stoppt nicht die bereits seit hunderten von Jahren möglichen Spekulationen, aber die heutigen EXZESSE (welche auch „Unbeteiligte“ schädigen). Die EXZESSE ERHALTEN durch die heutige unbegrenzte private Geldschöpfung ihren „Treibstoff“ und somit auch die Möglichkeit der Eigengeschäfte der Banken , weil sie eigenes Geld „drucken“ können und nicht (oder nur punktuell) auf Sparer angewiesen sind, welche ihnen das Geld bewusst oder unbewusst zur Verfügung stellen. Die heutigen Exzesse werden durch eine Vollgeldreform nachweislich werden gemindert….schon ein wichtiger und dringlicher und unterstützenswerter Schritt!

  4. Uwe
    28. Januar 2012 um 20:13

    Hier werden einfach Fragen/Kommentare gelöscht bzw. nicht veröffentlicht? Irgendwie nicht so souverän… Ihr seid ja die Spezialisten die Rede und Antwort geben können…. sollten.

    • 30. Januar 2012 um 21:19

      Hallo Uwe,
      Wir bitten um Verständnis für die ferienbedingten Verzögerungen. (Die Kommentare werden intern nach der „Sichtung“ freigegeben).
      Wir melden uns bestimmt noch diese Woche.
      Freundliche Grüsse,
      Daniel Meier
      PS: Wie du siehst, wären wir immernoch stark angewiesen auf (d)eine Mitarbeit betreffend Homepage-Betreuung…
      😉
      (gemäss deinem Mail-Kontakt Mitte 2011 mit uns und siehe auch unseren Neujahrs-Aufruf zur Unterstützung)

  5. christian riedl
    11. März 2012 um 19:12

    Ich finde das alles sehr interessant, vielen Dank!
    Wenn das Geld reformiert ist, die Banken keine (Giral)Geldschöpfung mehr betreiben, wird das nicht auch die gesamte Wirtschaft dermasen schwächen, dass wieder alles im argen läge? Es wäre in zukunft viel weniger Geld da, welches ausgegeben wird, da die banken viel wengier kredite vergeben könnten!? Und, dass das bestehende Geld viel schneller zirkuliert um das auszugleichen geht ja auch nicht!?

    • 14. März 2012 um 21:39

      Hallo Christian,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Deine Befürchtungen liegen auf der Hand: Wenn Banken nicht mehr selber Geld erzeugen können und es bei Kreditvergabe vorgängig besitzen müssen, könnte man denken, dass es zu einer Verknappung des Geldes kommt – mitsamt unerwünschten Zinsausschlägen. Dass es nach einer Vollgeldreform so kommen wird, ist nicht zu befürchten.
      1. Die umlaufende Geldmenge wird durch eine Vollgeldreform nicht geändert: Schulden bleiben Schulden, Guthaben bleiben Guthaben.
      2. Spargelder sind in einem Vollgeldsystem keine stillgelegten Giralgelder mehr, sondern stehen den Banken für Kredite zur Verfügung.
      3. Neues zusätzliches Geld wird von der regierungsunabhängigen SNB/Monetative in der passenden Grössenordnung zins- und schuldenfrei zur Verfügung gestellt.
      Über die erstmalige Verwendung dieses Geldes bestimmt somit die jeweils gewählte Regierung: öffentliche Projekte, Schuldentilgung, Steuersenkungen, Bürgerdividenden. In jedem Fall landet das Geld letztendlich ja wieder bei einer Bank, wo es zu einem bestimmten Teil von Sparern wieder angelegt wird. Dabei können die Sparer bestimmen in welche Projekte das Geld verliehen bzw. investiert werden soll. Also steht wieder „frisches“ Geld für Kredite zur Verfügung.
      Damit die Banken dieses Zinsdifferenzgeschäft tätigen können, müssen sie Spargelder einwerben und Kreditnehmer mit Bonität für sich gewinnen. Sie stehen dabei im Wettbewerb mit anderen Banken und Finanzdienstleister, so dass der Markt hier ein vernünftiges Preisgefüge entstehen lassen wird.
      Summa Summarum: Das Geld kommt und bleibt in Zirkulation – Banken werden also angemessen Kredite vergeben können, eine Geldknappheit ist nicht zu erwarten.
      Die unabhängige SNB/Monetative hat zudem die Möglichkeit sehr schnell zu reagieren und bei aufkommender Knappheit neues zusätzliches Geld schuld- und zinsfrei zur Verfügung zu stellen oder allenfalls zeitlich befristet den Banken ein an Vorgaben geknüpftes Darlehen zu geben (z.Bsp. Leistungsauftrag zur gezielten Kreditvergabe an die Realwirtschaft).
      Allgemein ist bei der Kreditvergabe zu unterscheiden zwischen realwirtschafts-bezogene Kredite und geldanlage-bezogene Kredite. Auf Letztere können wir getrost verzichten, denn genau diese haben unsere Geldmenge – befeuert durch die Gelderzeugung der Banken – so massiv ansteigen lassen.
      Entsprechend müsste man auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes differenziert nach Finanzwirtschaft und Realwirtschaft analysieren.
      Ich hoffe ich konnte deine Fragen verständlich beantworten.
      Bei Rückfragen kannst du hier einen Kommentar hinterlassen – ich werde mich bemühen alle offenen Punkte zu klären.

      • Beni Rohrbach
        19. März 2012 um 20:50

        Moin moin

        Ihn eine ähnliche Richtung gehen auch meine Bedenken hierzu. Würde das Vollgeld die Kreditgabe an Risikounternehmen wie Start-Ups nicht extrem teuer machen? Das Geld, welches die Banken ja für Kredite ausgeben könnten, wäre danach limitiert und somit würde vermutlich eher in sichere Gefilde (Rohstoffe, Agrarprodukte) investiert…

        Grüsse

  6. Daniel Mathis
    18. April 2012 um 19:21

    „Wenn Bund und Kantone neu geschaffenes Geld in Umlauf bringen indem sie damit einen Teil ihrer Ausgaben bezahlen, entsteht dadurch keine zusätzliche Verschuldung.“

    Frage: Heizt das nicht die Inflation an? Falls ja, wäre dies dann in eurem Sinn?! Ich denke nicht, oder?

    • 19. April 2012 um 17:04

      Besten Dank für ihr Nachfragen.
      Es entsteht keine zusätzliche Verschuldung, weil das zusätzlich geschöpfte Geld ja zins- und schuldfrei in Umlauf gebracht wird. Auch wird durch die Monetative (SNB) nur soviel zusätzliches Geld in Umlauf gebracht, wie es dem Wirtschaftswachstum entspricht, so das Wirtschaftsleistung und Geldmenge 1:1 übereinstimmen. Das heisst zusätzliches Geld wird nur geschöpft, wenn die Wirtschaft wächst. Ohne (prognostiziertes) Wirtschaftswachstum wird somit auch kein zusätzliches Geld in Umlauf gebracht. Der Bund und die Kantone können sich kein neues Geld für ihre Ausgaben „wünschen“….die unabhängige Monetative entscheidet über eine Geldmengenausweitung im Gesamtinteresse des Landes und aufgrund der erwarteten Wirtschaftsleistung. Eine Inflation von ca. 1-2% soll im Gegensatz zu heute nicht mehr als Vorgabe gelten.

  7. Kriss L. Paoloni
    20. April 2012 um 11:27

    Ich habe mich gestern durch den Verfassungstextentwurf gelesen. Ich finde in Grundsätzlich gut, habe aber noch Fragen:

    Welche Instrumente stehen der Monetative zur Verfügung um die Geldmenge zu reduzieren?

    Was passiert wenn andere Länder CHF-Reserven bilden und diese auf (sicheren) Girokonten blockieren, quasi aus dem Umlauf nehmen?

    Wie wird mit unausgeglichenen Aussenhandelsbilanzen verfahren?

    Danke im Voraus

    • Dietmar Logoz
      28. Mai 2012 um 22:20

      Ich bin auch auf die Antwort gespannt…

      Freie Konvertibilität des Schweizerfrankens nur gegenüber anderen Vollgeldwährungen, Festkurse gegenüber allen anderen Währungen?

      Devisenexportrestriktionen?

      Auslandgeschäfte über eine Zweit- oder Fremdwährung?

      Eine Geldmengenreduktion würde gemäss Prof. Huber durch Belastung des Staatskontos bei der Monetative und Rückfluss aus Steuergeldern erreicht (langfristig) oder durch Offenmarktgeschäfte (kurz- und mittelfristig).

      • 7. Juni 2012 um 12:08

        Besten Dank für Ihr Interesse und die konkreten Hinweise. Die Fragen von Kriss L. Paoloni konnten umfassend per Telefon geklärt werden. Gerne verweise ich für ihre weiterführenden Fragen auf die Literatur von Huber (Monetäre Modernisierung) oder ebenfalls auf ein klärendes Telefongespräch mit uns (Tel: 079 772 96 05). Ein Telefonat (oder das „Selbststudium“) macht bei solch komplexen Fragen Sinn, weil dies hier kein Diskussionsforum ist um solche „Detailfragen“ zu erläutern. Wir freuen uns auf Ihren Anruf. Im Weiteren verweise ich gerne auf die Videoaufnahmen & Handouts der Fachtagung vom 1./2.Juni an der Uni Zürich (wo solche Fragen Platz hatten):
        http://www.vollgeld.ch/fachtagung

  8. 25. April 2012 um 11:26

    Besten Dank für Ihr Interesse und die konkreten Fragestellungen. Aufgrund von Ferienabwesenheiten melden wir uns gerne Ende nächste Woche und werden in diesem Zusammenhang unsere FAQ (www.vollgeld.ch/faq) ergänzen. Bei Bedarf geben wir auch gerne vorab telefonische Auskünfte: 079 773 34 50 (MoMo-Telefon)

  9. Reto Brühlmann
    1. Juni 2012 um 14:21

    Eine Frage hab ich trotzdem noch:

    Wieso wird nur die Geldschöpfung angeschaut und nicht aber, was aus meiner Sicht genau so wichtig wenn nicht wichtiger ist, der Zins / Zinseszins?

    Das Problem im Zins/Zinseszins ist ja dadurch begünstigt, dass die Kapitalkonzentration, bei denen die Geld besitzen, immer grösser wird (damit sind diejenigen gemeint, die davon leben weil ihr Geld Geld verdient => Ein Irrwitz in sich selber, arbeiten muss immer irgend wer) – Während die Armen von der Sozialhilfe leben und die Fleissigen beide finanzieren. So höhlt man doch den Mittelstand immer weiter aus, bis zum Schluss nur noch Sozialhilfeempfänger, Konzerne und Supperreiche zurückbleiben?

    Ich persönlich betrachte die ganze Zinsproblematik als gefährlicher – denn was viele Leute an dieser Problematik nicht verstehen ist, dass dies immer ein exponentielles Wachstum ist – darum müssen heute auch immer neue und grössere Kredite geschaffen werden, damit überhaupt dieses Geld in Zinsform aus den vorhergehenden Krediten überhaupt existiert – das dabei aber nur gerade wieder eine Kreditsumme ohne den erforderlichen Zins desselben geschaffen wird, ist so ironisch wie krass zugleich – weil so der Motor selbsttragend ist und nicht verweigert werden kann ohne dabei wirtschaftlich in den Ruin getrieben zu werden.

    Der Ansatz der Lösung ist zwar sehr gut, wäre aber in anderen Systemen ( die sich dem gleichen Ziel wie das der Vollgeld Initiative verschreiben ) nur ein Bestandteil. Das Problem dieser Einzellösung ist aber, dass sie nicht zweifels- und problemfrei sind (zum einführen und betreiben) und die Menschen nicht genug befreit (Das Hamsterrad bleibt). Natürilch könnten die Initianten auch grössere Ziele haben, machen es aber auf die Schweizer Salamitaktik 😉

    Gerne bin ich auch zu einer Diskussion bereit, falls dies der falsche Ort ist was ich schwer annehme, da es sich ja um Kommentare und nicht um ein Diskussionsforum handelt 😉

    Vielen Dank für Ihre Antwort ….

    • 7. Juni 2012 um 12:28

      Besten Dank für den wichtigen Hinweis zur Zinsproblematik, welcher uns bewusst ist. Die Reform der Geldschöpfung (Vollgeldreform/Monetative) ist ein erster und unabdingbarer Schritt zu einem nachhaltigeren und gerechteren Geld- und Banken-System. Die Monetative/Vollgeldreform kann nicht alle Problematiken angehen geschweige denn lösen. Aber es ist die Basis (oder gar Ausgangspunkt) für weitere Lösungsansätze.
      Die Zinsproblematik wird entschärft, weil erstens die Problematik GELD = SCHULD gelöst wird und so zumindest die „Geldbasis“ zins- und schuldfrei in Umlauf kommt. Dadurch wird die ungerechte Umverteilung und der Wachstumszwang gedämpft. Es ergibt sich eine Wahlmöglichkeit, welche im heutigen System nicht besteht. Durch unsere realpolitische und hoffentlich mehrheitsfähige „Bewusstseinsschaffungs- bzw. Aufklärungs-Initiative“ wird auch die Diskussion über weitergehende Reformen angestossen, welche heute weder allgemein bekannt noch mehrheitsfähig sind.
      Machen Sie mit beim ersten Schritt in die richtige Richtung und unterstützen Sie uns.
      😉

  10. El capitano
    14. Juni 2012 um 20:08

    Hallo zusammen.

    Super dass da mal bewegung in dieses wichtige Thema kommt, deshalb begrüsse ich Eure Initiative.

    Ich beschäftige mich auch schon eine Weile mit Vollgeld oder „narrow banking“ und habe einige technische Fragen

    Es gibt ja schon einige Konzepte in diesem Bereich die doch teilweise unterschiedlich ausgestaltet sind. Beispielsweise limited purpose banking, positive money, 100% moeny von fisher, etc. Wie steht ihr zu diesen Ideen?

    Einige probleme werden in den meisten vollgeldsystemen M.E nur unzureichend behandelt. Erstens, wie verhindert ihr das nichtbanken geldähnliche wertpapiere mittels repo oder „todsicheren“ money market funds herausgeben? Das ist ja gesetzlich sicher schwierig zu erfassen und ist immer attraktiv, da solches geld gleichzeitig auch zinsen bezahlt.

    Zweitens ist die frage nach der fristentransformation relevant. Mit vollgeld gibt es ja keine fristentransformation mehr. Wenn also jemand eine hypothek aufnimt auf 10 jahre, muss er dann gläubiger finden die auf jeden fall 10 jahre auf die liquidität verzichten können? Würden dann die zinsen nicht explodieren weil kaum jemand mehr langfristige kredite gibt?

    Drittens bin ich etwas skeptisch dass der staat geldschöpfungsgewinne bekommt und wieviel das in einem „sauberen finanzsystem“ ergeben würde. Die banken schöpfen ja nur so viel geld ohne inflation weil das hauptsächlich zu spekulationszwecken in der finanzwelt aber nicht in der realen wirtschaft eingesetzt wird

    Danke für eine antwort

    Gruss

  11. 18. Juni 2012 um 13:20

    Besten Dank für die konkreten Fragen:
    Betreffend anderen Reformbestrebungen sind wird grösstenteils sehr positiv und unterstützend eingestellt. Jeder Schritt in die richtige Richtung ist dringlich und wichtig. Allerdings bestehen klare Differenzierungen betreffend der Wünschbarkeit und Wirkungsfähigkeit. Prof. J.Huber äusserte seine persönliche Meinung dazu anlässlich der Vollgeldreform-Tagung 2011 an der ZHAW Winterthur.
    (Video unter http://vollgeld.ch/video/ und Handouts unter http://vollgeld.ch/text/ )
    In seiner Präsentation ab Folie 19 vergleicht er 100%-Money, Limited Purpose Banking und weitere Reformansätze mit dem Vollgeld-Konzept. Siehe:
    https://vollgeld.files.wordpress.com/2011/05/handout_huber_13-mai_2011.pdf

    Betreffend geldähnlichen Wertpapiere: Wir sind uns dieser Problematik sehr bewusst, deshalb steht im Entwurf des Verfassungsinitiativtext als Artikel 99 Abs.3: „Das Gesetz regelt insbesondere a. die Abgrenzung zwischen Zahlungsmitteln und Finanzanlagen“
    Oder auch in Artikel 99a Abs.2: „Die Schaffung und Verwendung anderer Zahlungsmittel für besondere Zwecke bedarf einer Bewilligung des Bundes.“ Damit ist nicht gemeint, das auch Regional- oder Komplemäntärwährungen verboten werden (z.Bsp. WIR, TALENT, Zeittauschbörsen) bzw. keine Bewilligung mehr erhalten, sondern so sollen geldmengenrelevante bzw. volkswirtschaftlich relevante „Zahlungsmittel“ bewilligungspflicht werden.
    Siehe dazu den Initiativtext-Entwurf und die Erläuterungen unter:
    https://vollgeld.files.wordpress.com/2011/05/plattform_fuer_eine_neue_geld-und_finanzmarkt-verfassung_13-mai_2011.pdf

    Betreffend Fristentransformation: Ich kann ihre Aussage nicht nachvollziehen, dass es in einem Vollgeldsystem keine Fristentransformation mehr gibt. Hier sehen wir keine Änderung der „goldenen Bankingregel“ oder der Fristentransformation-Handhabung.

    Betreffend Geldschöpfung/Seigniorage an den Staat: Wir sind uns dieser Thematik bewusst, sind aber überzeugt das die Unabhängigkeit gegenüber Parlament und Wirtschaft mit einer Monetative (4.Staatsgewalt) gegeben ist. Siehe:
    http://vollgeld.ch/faq/was-ist-die-monetative/
    Im Weiteren wird auch punktuell eine direkte Auszahlung an die Bürger favorisiert, als eine Art Bürger-Dividende. Damit würde den direkten „Begehren“ von Parlament und Wirtschaft entgegengewirkt. Zur Erläuterung siehe den Kurzbeschrieb:
    https://vollgeld.files.wordpress.com/2012/01/momo-kurzbeschrieb_nov-11.pdf
    oder ausführlicher ebenfalls:
    https://vollgeld.files.wordpress.com/2011/05/plattform_fuer_eine_neue_geld-und_finanzmarkt-verfassung_13-mai_2011.pdf

    Höhe der Geldschöpfung in einem „sauberen“ Finanzplatz: Die Geldmenge wird nur noch im Verhältnis 1:1 zum (prognostizierten) Wirtschaftswachstum in der Realwirtschaft ausgedehnt. Bei 1-2% Wachstum sind das 4-8 Mia. Franken jährlich, welche dem Staat als Mehreinnahme dienen oder allenfalls jeder einzelne Bürger als eine „Dividende“ von ca. Fr.1’000.-/jährlich (oder ca. Fr.100.-/monatlich) erhält. Diese Zahlen sind auch im Kurzbeschrieb erwähnt:
    https://vollgeld.files.wordpress.com/2012/01/momo-kurzbeschrieb_nov-11.pdf

    Betreffend Unterbindung der Spekulation: Gerne verweise ich auf unsere FAQ-Seite:
    http://vollgeld.ch/faq/wird-die-spekulation-mit-der-vollgeldreform-unterbunden

    • El Capitano
      18. Juni 2012 um 18:11

      Hallo

      Danke für die ausführlichen Antworten, hat sich fast alles geklärt

      Auf den Punkt der Firstentransformation möchte ich nochmals zurückkommen. Ich habe das Vollgeld Buch leider nicht gelesen, vielleicht befindet sich die Antwort ja dort. Ich würde dennoch den Punkt gerne nochmals aufgreifen

      Auf dieser Homepage wird hauptsächlich die Geldseite unseres Finanzsystems addressiert. Die Lösung wie sie hier auf der Homepage präsentiert wird, schweigt sich über die Kreditvergabe aus. Angenommen, ich will ein Haus kaufen und brauche eine Zehnjährige Hypothek. Dann gehe ich ja wahrscheinlich zur Bank welche mir diesen Kredit gibt.

      Nun, woher hat nun die Bank dieses Geld? Ist es Ihr Eigenkapital (das wäre ja LPB)? Oder kann sie Geld von Einlegern vermitteln? Falls sie geld von Einleger vermitteln, können das ja kaum Einlagen auf Girokonten sein, da die Bank sonst ja wieder Geld schöpft. Sind dann das Sparkonten welche nur mit Verzögerung aufgelöst werden können? (Ich glaube positivebanking.org macht was in diese richtung)? Oder verlangt Ihre volle Fristenkongruenz für Banken?

      Der Punkt ist ja nicht nur die Geldschöpfung, sondern auch die Bank-run Problematik. Solange die Verbindlichkeiten der Bank kürzere Laufzeiten haben als die Aktiven, kann ein ‚Bank run‘ stattfinden, da die Bank nicht genügend Aktiven liquidieren kann um alle Verbindlichkeiten rechtzeitig zu bedienen.

      Aber ohne Fristentransformation will niemand mehr geld ausleihen, da kaum jemand einfach zehn Jahre auf sein Geld verzichten kann. Man weiss ja nie was die Zukunft bringt. M.e. ist das auch das stärkste Argument der „fractional reserve“ Anhänger. Sie sagen dass ihr system halt schon instabil sei, dafür entwickelt es eine enorme wirtschaftsdynamik weil es Leute dazu bringt, Ihr Geld zur Verfügung zu stellen (z.B. das Argument von Bagehot und das Diamond-Dybvig Modell)

      Versteht mich nicht falsch, ich will jetzt nicht sagen dass man deshalb Vollgeld ablehnen soll, aber diese Frage scheint mir sehr wichtig

      Wie geht Vollgeld mit dem Spannungsfeld Stabilität (kein bank run bei völliger Firstenkongruenz) und Dynamik (risiko von bank run aber flexibilität für Sparer dank Fristentransformation) um?

  12. 18. Juni 2012 um 21:10

    @El Capitano:
    Betreffend (Hypotheken-)Kreditvergabe:
    Ja, es ist der gleiche Ansatz wie bei http://www.positivemoney.org.uk . Das heisst, es sind Spargelder der Kunden welche nur mit Verzögerung aufgelöst werden können oder Darlehen von anderen Banken oder eigene Mittel. Ein weiteres Szenario um allfällige Kreditklemmen zu vermeiden ist, dass die SNB (so wie heute) verzinsliche zeitlich begrenzte Darlehen an Geschäftsbanken vergeben kann, wenn es im Gesamtinteresse des Landes ist bzw. zur Steuerung (temporären Erhöhung) der kaufkräftigen Geldmenge sinnvoll ist.
    Für die meisten Menschen wäre es in einem Vollgeld-System dann so, wie sie es heute schon glauben das es ist: Die Banken „sammeln“ Geld und vermitteln es….ganz ohne eigene (Kredit-)Geldschöpfung.
    Es gibt somit im Vollgeldsystem „Transaktionskonten“ (heute M1) welches „sicher“ ist auch bei einem Bankrun, aber wohl auch keinen Zinsertrag haben wird (weil die Banken damit nicht „arbeiten“ können/dürfen). Und es gibt Anlagekonten mit (Risiko-)Zinsen, bei welchen die Sparer das Geld zur Verfügung stellen (zur Kreditvergabe) und für eine vertraglich festgelegte Zeit nicht auf ihr Geld zugreifen können. Ein heutiger Bakrun auf die Geldmenge M1 (sofort auszahlbare Sichtguthaben) hätte einen Zusammenbruch zur Folge….in einem Vollgeldsystem nicht.
    Eine allfällige Fristentransformationsproblematik dürfte bei Einhaltung der „goldenen Bankregeln“ in einem Vollgeldsystem nicht vorkommen….da wäre eine Nichteinhaltung der „treuhändlerischen“ Regelungen zu vermuten. Allenfalls könnte mit den oben beschriebenen temporären SNB-Darlehen überbrückt werden, wenn eine Kreditklemme droht aufgrund unsicherer Sparer (welche nur kurzfristig ihr Geld „anlegen“). Bei einem Konkurs (durch einen Bankrun) bricht in einem Vollgeldsystem weder der Zahlungsverkehr zusammen, noch die Kreditvergabe….too big to fail -Problematik ist somit grossteils systembedingt gelöst.
    Zur Verdeutlichung: Falls im Bankenwesen zuwenig Geld zur Kreditvergabe zur Verfügung steht und somit die Zinsen ernorm steigen bzw. zu übervorsichtig Kredite vergeben werden, könnte die Monetative (SNB) die Geldmenge direkt erhöhen: Geldinumlaufbringung via Staat oder Bürgergeld oder falls es sich um eine temporäre Kreditklemme (bzw. Unsicherheit) handelt via (verzinsliche) temporäre (allenfalls mit Auflagen verbundenen!) Darlehen an die Banken das Kreditvolumen erhöhen.

    Betreffend Wirtschaftsdynamik: Das Argument des „ungezügelten“ Wirtschaftswachstum/Dynamik macht meines Erachtens keinen Sinn mehr: Die Spitze ist erreicht, eine weitere Ausbeutung von Natur und Mensch ist zu begrenzen. Heute kann dieses Geldmengenwachstum (und somit das Wirtschaftswachstum) nicht begrenzt werden…. Wir alle sind ja heute leider systembedingt sogar zu Wachstum gezwungen!!!

    Ich empfehle nun die Lektüre des Buches „Monetäre Modernisierung“ (ISBN: 978-3-89518-792-6) und freu mich darauf einen qualifizierten Befürworter in der Vollgeldreform/Monetative-Bewegung zu wissen…
    😉

  13. GG
    22. Juni 2012 um 10:06

    Wie gedenkt ihr gegen das Lobbying der Banken vorzugehen? Seine solche Reform würde wohl den grössten ökonomischen Paradigmenwechel der letzten 100 Jahre darstellen.
    Mögliche Argumente der Banken:
    – Verlust der internationalen Wettberwerbsfähigkeit, wir verlieren gutes Personal (das typische 08/15 Argument der Banken, wenn es um Regulierungen geht.) -> Arbeitslosigkeit beim ach so wichtigen Bankensektor (6% des BIP).
    – Drohung: Abwanderung nach London. Weniger Steuerzahlungen, Schaden für Volkswirtschaft.
    – zusätzliche „Transaktionskosten“ weil zunehmende Zusammenarbeit mit SNB, weniger „flexible“ Ausgabe von Krediten
    – „Gefährliche“ Aufblähung der SNB Bilanz. Zu hohe Machtkonzentration in einer einzigen, „undemokratischen“ Institution. International gewaltige Bilanz schwächt Vertrauen in CHF
    – Normale Transaktionskonten geben keine Zinsen mehr.

    …. was für gute + schlechte Argumente sind noch denkbar?

  14. 23. Juni 2012 um 13:35

    @GG:
    Besten Dank für Ihr Interesse und die konkreten Fragestellungen.
    Da es sich hier nicht um ein Diskussionsforum handelt, werde ich mich mit den Antworten sehr kurz halten und verweise auf die FAQs (http://vollgeld.ch/faq/), die MoMo-Treffen (http://vollgeld.ch/about/) und den Newsletter (http://vollgeld.ch/newsletter/) sowie das Buch „Vollgeldreform“ (http://vollgeld.ch/2012/02/24/neuerscheinung-die-vollgeld-reform/) und die Bücherliste (https://vollgeld.files.wordpress.com/2012/01/bc3bccherliste.pdf) um solch umfassende Fragen zu klären.
    All ihre Fragen/Unklarheiten sind uns bewusst und die klärenden Antworten dazu sind bekannt.
    😉
    Hier ein Kürzest-Versuch:

    „Wie gedenkt ihr gegen das Lobbying der Banken vorzugehen?“
    Wir versuchen die Initiative vorab auf eine sehr breite Basis zu stellen. (Überparteilich, KMU, Wissenschaft, eigene Lobby, Grasroot-Bewegung, uvm.). Es geht nicht um eine ideologische Reform, sondern darum einen systemischen Konstruktionsfehler zum Wohle (fast) aller zu beheben. Hier meine ganz persönliche Meinung: Es wird allenfalls nicht beim ersten Anlauf klappen, aber das Problembewusstsein erwacht und die Aufklärung wird gefördert/gefordert…. (Auch das Frauenstimmrecht, AHV, usw. brauchten mehrer Anläufe um einen „Paradigmenwechsel“ zu erreichen). Eine andere Sichtweise: Die aktuellen Umstände bzw. allenfalls leider erst ein (weiterer) Finanzmarkt-Fukushima wird den schnellen überraschenden Wandel ermöglichen! (siehe Atomenergie-Ausstieg!)

    „Verlust der internationalen Wettberwerbsfähigkeit, wir verlieren gutes Personal. Arbeitslosigkeit beim ach so wichtigen Bankensektor.“
    Es wird den Finanzplatz Schweiz stärken: Sicherheit und Nachhaltigkeit sind zukünftig ein Wettbewerbsvorteil! Der kleinere Teil (also die hochspekulativen „Arbeitsplätze“, nicht die Vermögensverwaltung) werden in diesem Arbeitsumfeld (wünschenwerterweise) verloren gehen, wird aber tragbar sein und zukunftsgerichtet nötig sein. Bereits jetzt werden ja genau diese Arbeitsplätze/Tätigkeitsfelder teils „redimensioniert“…

    „Drohung: Abwanderung nach London. Weniger Steuerzahlungen, Schaden für Volkswirtschaft.“
    Toll wenn die heutigen Systemrisken ausgelagert werden. Erfreulich wenn die Steuerzahler diesen „abartigen“ Teil des Bankengeschäfts zukünftig nicht mehr mit Steuermilliarden retten müssen. Bei der Volkswirtschaft werden die ungewollten Zyklen nicht mehr durch Blasenbildung verstärkt. Die Kreditvergabe an die REALWIRTSCHAFT wird stabilisiert und wieder zum Kerngeschäft.

    „Zusätzliche “Transaktionskosten” weil zunehmende Zusammenarbeit mit SNB…“
    Zur Klärung: Die SNB übernimmt keine einzige Kreditvergabe! Die gesamte Geldschöpfung/Herstellung wird der SNB übertragen, aber die Kreditvergabe (Geldvermittlung) und sämtliche Dienstleistungen bleiben wie bisher bei den Geschäftsbanken. Die Banken werden wieder zu Intermediären und sind nicht mehr gleichzeitig Geldhersteller und Vermittler…..eine unhaltbare Situation, das sowohl die Geldmenge als auch die Verteilung (Kreditvergabe) in derselben (subventionierten, monopolistischen) Hand sind.

    „….weniger “flexible” Ausgabe von Krediten“
    Die Angst vor einer Kreditklemme ist absolut unbegründet: Bitte beachten unter FAQs http://vollgeld.ch/faq/gibt-es-nicht-eine-kreditklemme/ und die Erläuterungen im Initiativtext-Entwurf unter: https://vollgeld.files.wordpress.com/2011/05/plattform_fuer_eine_neue_geld-und_finanzmarkt-verfassung_13-mai_2011.pdf .

    “Gefährliche” Aufblähung der SNB Bilanz.“
    Es würde nur „offiziell“ was bereits heute der Fall ist….es gibt ja heute eigentlich eine „Staatsgarantie (Too big to fail-Problematik) für die grossen Geschäftsbanken: Die Risiken und „Einschusspflicht“ übernimmt die SNB/Staat, aber die Profite streichen (allergrossteils) die privaten Banken ein. Es ist aus meiner Sicht nachvollziehbar, dass die Bilanz einer Nationalbank (eines ganzen Landes) grösser sein soll/kann als die eines privaten Unternehmens….

    „Zu hohe Machtkonzentration in einer einzigen, “undemokratischen” Institution.“
    Sieh dazu in den FAQs:
    http://vollgeld.ch/faq/warum-sollte-man-dem-staat-noch-mehr-kompetenzen-geben/
    http://vollgeld.ch/faq/was-ist-die-monetative/

    „International gewaltige Bilanz schwächt Vertrauen in CHF“
    Es ist wohl eher zu erwarten, dass das Vertrauen steigt, wenn das „Geld“ in der Bilanz einer Zentralbank steht als in der Bilanz einer „krisenanfälligen, risikobereiten“ Geschäftsbank und die Volkswirtschaft stabilisiert wird…. (Siehe dazu auch den Hinweis auf die Stärkung des „nachhaltigen/stabilen Finanzplatz Schweiz“)

    „Normale Transaktionskonten geben keine Zinsen mehr.“
    Das ist zu erwarten (so wie wir für Bargeld ja auch keine Zinsen bekommen, weil das Risiko des Verlustes „kontrollierbar“ ist). Das elektronische Geld auf den Transaktionskonten ist in einem Vollgeldsystem also so sicher wie Bargeld (nicht wie heute nur „fraktional“ gedeckt) und sozusagen bei der Bank im elektronischen Tresor zur Aufbewahrung…..die Bank kann damit nicht „arbeiten“, weil es nicht mehr Bestandteil der Bankenbilanz ist. Allenfalls werden aber auch zwecks „Kundenbindung“ solche Transaktionskonten gratis oder gar mit „Zinsen“ belohnt, damit die Leute ihr Spargeld in Anlagekonten der gleichen Bank „investieren“. Mit den Geldern in den Anlagekonten können die Banken arbeiten (Kredite vergeben) und der Sparer erhält deshalb auch (Risiko-)Zinsen.

    …. was für gute + schlechte Argumente sind noch denkbar?
    Gerne erwarten wir weitere pro und contra Hinweise!
    🙂
    Ich empfehle ein Newsletter-Abo (http://vollgeld.ch/newsletter/ ) um anhand von Veranstaltungen und Medienberichten „inspiriert“ zu werden…..
    Ein persönlicher Austausch ist auch an den monatlichen MoMo-Treffs möglich.

  15. MacQueen
    1. Juli 2012 um 14:03

    Hallo
    Ich bin darüber erfreut, dass sich nun jemand dem Finanzsystem annimmt und eine Reform über demokratische Instrumente anstrebt. Um eine Initiative erfolgreich durchzubringen muss dem Wähler klar vor Augen geführt werden, dass Reformen notwendig sind, weil erhebliche Systemfehler vorliegen, welche für uns kritisch sind. Ich bin der Meinung, dass die wichtigsten Systemfehler in einer Schrift dargestellt und beurteilt werden sollten. Dies am besten von einer namhaften Stelle. Als Stimmbürger muss ich innerhalb dieses komplexen und unübersichtlichen System verstehen a) was nicht funktioniert und b) was ungerecht ist und dies in einer einfachen, verständlichen Sprache. Wenn dies der Wähler versteht und nachvollziehen kann, ist er auch für Lösungen offen. Ansonsten werden die verunsichernden Angstkampagnen, die bei einem solchen Vorhaben sicher eintreten werden, ihn von der Zustimmung abhalten.

    Der Stimmbürger muss auch geschützt werden können. Mir schwebt folgender Lösungsansatz vor. Geld wird über die NB in die Realwirtschaft gebracht, nämlich über die Kantone, welche dieses Geld ausschließlich für Infrastrukturprojekte wie Strassen, Kläranlagen, energieproduktion etc. Und für soziale Zwecke wie AHV, Schulen, Spitäler, Altersheime verwendet werden dürfen. Hier wächst die Realwirtschaft mit der Geldmenge und es gibt keine Inflation. Sollte der Stimmbürger Angst bekommen, dass zB die AHV nicht mehr gesichert ist, dann wird es schwierig. Wird ihm aber das neue System klar, dh versteht der Stimmbürger dass die Sozialwerke, der soziale Frieden, der Lebenstandard beim heutigen System erheblich höheren Gefahren ausgesetzt sind, dann könnte ein Umdenken geschehen.

  16. Libertarian
    15. Dezember 2012 um 22:28

    Hallo,
    Auch ich bin der Meinung, dass unser jetziges System nicht optimal ist! Doch Gesetze und Verbote sind meiner Meinung nach nicht die Lösung. Habt ihr euch schon Mal Gedanken über das Free Banking gemacht? Niemand hätte dann die Macht über das Geld! Nicht jedes Geld muss akzeptiert werden! Jeder kann sein Geld ausgeben.

    Die Lösung wäre viel einfacher: Geld Monopol aufheben!!!

  17. Jack Roco
    29. Januar 2013 um 10:33

    Habe gestern den Beitrag von ECO gesehen.
    Musste dabei an folgendes Video denken : http://www.youtube.com/watch?v=0iicFMXSDek
    Anhand vom Beispiel USA ist das Problem sehr gut erklärt. Das Video ist sehr einfach gemacht, eigentlich nicht viel mehr als eine Diashow. Um das Problem des jetzigen Geldsystems der breiten Bevölkerung zu erklären, wäre es sinnvoll ein ähnliches Video für die Schweiz zu machen. Je nach finanziellen Möglichkeiten kann das Video auch etwas ansprechender gestaltet werden.

  18. Stefan
    24. Februar 2013 um 00:06

    Warum braucht es einen solch umfassendenVerfassungsartikel?
    Im Prinzip ist es doch ganz einfach: Die Banken können nur so viel Geld als Kredite herausgeben, wie sie durch Zentralbankgeld gedeckt haben. Dieses verzinsen sie der SNB und dementsprechend ist die SNB (und damit die Allgemeinheit) Nutzniesser der Geldschöpfungsgewinne. Reicht es nicht aus, ganz einfach die Mindestreserve auf 100% zu erhöhen?

    Dass der Bund und Kantone keine Zinsen bezahlen sollen, ist keine nötige Ausnahme, da sie ja sowieso vom Geldschöpfungsgewinn profitieren.

    Ich finde es übrigens äusserst wichtig zu betonen, dass die Kredite an die Geschäftsbanken mit Zinsen belegt werden (auf der Homepage lese ich regelmässig bloss „zinsfrei“ and Bund) – nur so wird eine effiziente und transparente Zuordnung möglich sein, und die Geschäftsbanken werden auch in Zukunft den grössten Teil der Kredite gegenüber Dritten ausgeben.

  19. Bernie S.
    19. April 2013 um 19:02

    Besten Dank für dieses notwendige und richtige Reformvorhaben. So sehr mich die ganze Problemanalyse als auch der Lösungsvorschlag überzeugt bzw. ich darin noch keinen Fehler finden konnte, so ist mir doch die Aussenwirkung der Reform (also CH als kleines Land mit Vollgeld, gegenüber den grossen Handelspartnern mit aktuellem Kreditgeld) nicht klar. Können z.B. nicht Banken im Ausland CHF via Kreditvergabe kreieren (da der Kunde z.B. USD als Sicherheit hinterlegt), und der Kunde dann diese „nicht-Vollgeld“ CHF in die CHF importiert, wo sie mit Vollgeld-CHF konkurrieren? In dieselbe Richtung gehen auch die Fragen weiter oben vom 20.04.12 und 28.05.12.

    Sie schreiben zwar in der FAQ, dass eine Vollgeldreform in der CH alleine funktionieren solle, aber nicht wieso. Und in Ihrer Antwort vom 7. Juni 2012 zu den beiden erwähnten Fragen aus dem 2012 verweisen Sie auf ein Telefonat und Literatur, und dass das ganze komplex sei. Das mag ja alles stimmen, nur ist das ganze Thema sowieso komplex und gerade für die CH (die ja 50% des Einkommens mit dem Ausland verdient) sind diese Fragen meines Erachtens zentral, ja entscheidend.

    Wie von Ihnen vorgeschlagen werde ich nun versuchen, plausible Antworten in der erwähnten Literatur zu finden. Ich möchte Sie aber trotzdem auffordern, dieser Fragestellung einen grösseren Platz, eventuell einen eigenen Abschnitt in der FQA oder so einzuräumen. Denn diese Fragestellung ist zentral und mit Verweisen auf Literatur oder bilaterale Gespräche überzeugen Sie keine Volksmehrheit. Vielmehr ist mit konkreten Argumenten zu überzeugen, dass die Alternative auch wirklich besser ist. Eben auch betreffend der Aussenwirkung.

    • 20. April 2013 um 12:48

      Guten Tag,
      Allerbesten Dank für Ihr Nachfragen. Gerne gebe ich erste Erläuterungen, verweise aber gleichzeitig erneut auf ein klärendes Telefongespräch (MoMo-Telefon 079 773 34 50) und die Fachliteratur (z.Bsp. J.Huber: Monetäre Modernisierung):
      Auf die Frage „Kann eine Vollgeldreform von der Schweiz im Alleingang eingeführt werden“, verweise ich auf die vorteilhaften Folgen ganz unabhängig von der internationalen Finanzwelt (siehe FAQ: http://vollgeld.ch/faq/kann-die-schweiz-eine-vollgeldreform-alleine-durchfuhren/ ).
      Betreffend Ihres Beispieles, dass Banken im Ausland Kredite (weiterhin aus dem „Nichts“) in Dollar ausstellen können, stimmt natürlich. Die Monetative (bzw. SNB) hat im Vollgeldsystem im Gegensatz zu heute, die direkte und wirkungsvolle Kontrolle der Geldmenge. (Siehe FAQ: http://vollgeld.ch/faq/warum-kann-die-zentralbank-die-geldmenge-nur-sehr-eingeschrankt-steuern/ )
      Falls also Milliarden-Beträge von US-Dollar in Schweizer Franken umgetauscht würden und auf den sicheren Transaktionskonten zinslos „gehortet“ würden (also nicht investiert würden), würde natürlich die verfügbare „kaufkräftige/nachfragewirksame“ Geldmenge M „schrupfen“ und der Schweizer Wirtschaft fehlen. Dann wäre (wie schon heute, aber mit wirkungsvolleren „Werkzeugen/Möglichkeiten“) die SNB (bzw. Monetative) gefordert, mit ihrer Geldpolitik einer Deflation entgegen zu wirken. (z.Bsp. temporäre Darlehen an das Bankensystem um eine Kreditklemme zu verhindern…wie die SNB es heute auch schon macht!). Falls die in Schweizer Franken eingewechselten US-Dollar in der Schweiz investiert würden, gäbe es einen Geldmengen-Zuwachs. Dann wäre (wie schon heute) die SNB (bzw. Monetative) gefordert, mit ihrer Geldpolitik eine Inflation zu verhindern. Allenfalls müssten in der Devisenbewirtschaftung neue (bzw. altbekannte) Wege gegangen werden. Im Extremfall sind die Begrenzung des freien Kapitalverkehrs und/oder (Transaktions-)Gebühren in Betracht zu ziehen. In Extremfällen (wie zum Beispiel dem temporären „Mindestkurs des Fankens gegenüber dem Euro) wird die Geldpolitik sich an ihrem Auftrag und ihren gemachten gesetzlichen Vorgaben richten: unter anderem im Gesamtinteresse des Landes zu handeln und Preis- bzw. Kaufkraftstabilität zu gewährleisten. Aufgrund der aktuellen Begebenheiten mit Euro-Krise, USA-Staatsüberschuldung, Dollarschwemme, Chinas „Währungsmanipulationen“, usw. sind/werden auch ohne Vollgeldreform und auch ausserhalb der Schweiz diverse Extremsituationen bestehen…. Die von Ihnen beschriebene Situation ist unabhängig von der Vollgeldreform zu diskutieren bzw. zu beantworten. In einem Vollgeldsystem hätten die Geldpolitik jedoch mehr Unabhängigkeit und die demokratische Legitimation bzw. Pflicht im Gesamtinteresse des Landes zu handeln.
      Bitte wenden Sie sich für weitere Detailfragen an info@monetative.ch oder 079 773 34 50 oder nehmen Sie an einem unverbindlichen MoMo-Treffen teil. Mit vorfreudigen Grüssen, Verein MoMo (DM)

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