Womit ist das Vollgeld gedeckt? Gibt es einen neuen Goldstandard?

Die Frage nach dem Goldstandard erscheint historisch gesehen überholt. Gold und Silber waren die entwickelte Form von Warengeld in traditionalen Gesellschaften. In der modernen Gesellschaft ist Geld inzwischen nur noch informationeller Natur, reines Zeichengeld. Es wird weltweit von den dazu autorisierten Zentral- und Geschäftsbanken buchstäblich aus dem Nichts in die Bücher geschrieben. Eben deshalb ist es im Hinblick auf die Geldmenge von so großer rechtlicher und ökonomischer Bedeutung, dass es jemanden gibt, unter dessen vollständiger Kontrolle und zuschreibbarer Verantwortlichkeit die Geldschöpfung stattfindet.
Geld kann grundsätzlich nicht durch anderes Geld gedeckt werden. Die reale Deckung des Geldes, anders gesagt, die Kaufkraft des Geldes, entsteht aus der Produktivität der Wirtschaft. Sie besteht im Gegenwert des laufend erstellten Wirtschaftsproduktes (BIP national und international). Geld repräsentiert nur in dem Maße Wert wie dem das laufend produzierte BIP einen Gegenwert in Form von Gütern und Diensten gegenüberstellt.
Wenn eine Bank bei der Kreditvergabe Sicherheiten verlangt, stiftet sie damit nicht eine ‚Deckung‘ von Geld, sondern die Bank verlangt zu ihrer eigenen Absicherung ein Geld- oder Sachvermögen als Pfand, falls der Schuldner insolvent wird.
Unter den heutigen Bedingungen der Giralgeldschöpfung per Kredit ist es weit verbreitet, die Geldschöpfung und den Geldwert einerseits und Aspekte der Besicherung von Kredit andererseits durcheinander zu bringen.
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Bitte beachten Sie auch die MoMo-Stellungnahme zum Goldstandard.
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Goldinitiative der SVP:
Die Goldinitiative vermag die „Werthaltigkeit“ des Geldes nicht zu gewährleisten und ist ein nicht ausreichendes Instrument um die heutigen geldpolitischen Problemen zu lösen. Siehe unter anderem die oben verlinkte Stellungnahme zum Goldstandard.
Im Weiteren wäre die nationale Geldpolitik vom internationalen Goldpreis abhängig, welcher dem Markt und der Spekulation ausgesetzt ist. Unter diesen Voraussetzungen kann keine Geldmengenkontrolle bzw. Preisstabilität gewährleistet werden. Siehe dazu z.Bsp. diese Tagesanzeiger-Artikel:
Das Ende der goldenen Zeiten (650% Preissteigerung innert 2Jahre, dann z.Bsp. 4,7% innert 1Tag gesunken)
USA prüfen Manipulationen am Goldmarkt (Kommt nach dem Libor- nun der Goldskandal?)
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  1. arjuna_de
    • 27. August 2012 um 23:23

      Das IWF-Arbeitspapier ist eine kleine Sensation:
      siehe: http://vollgeld.ch/2012/08/20/vollgeld-iwf-workingpaper/
      Zu beachten ist allerdings, dass das Vollgeldkonzept eine Anpassung an das „Informationszeitalter“ ist. Also eine „Weiterentwicklung“ des 80-jährigen Konzeptes des 100%-Money.
      Es ist das 100%-Money, welches der IWF anspricht. J.Huber hat an der Vollgeldtagung im Mai 2011 die Unterschiede zwischen 100-Money und Vollgeld aufgezeigt. Siehe die Folien „Dem Vollgeld verwandte Ansätze“ unter
      https://vollgeld.files.wordpress.com/2011/05/handout_huber_13-mai_2011.pdf
      „100%-Money“ ist also ein Schritt in die richtige Richtung, aber wird erst als „Vollgeld“ an die heutige Zeit angepasst.
      Der IWF nimmt zwar keine Stellung zum Vollgeld (als eine Weiterentwicklung des 100%-Money bzw. eine Anpassung aufgrund der heutigen elektronischen Geldschöpfung), aber nun scheint als nächster Schritt absehbar, dass auch die Vollgeldreform auf verschiedenen Ebenen konkret thematisiert wird….
      😉
      Auf Facebook wurden die „Mängeln“ des 100%-Money gegenüber dem Vollgeld kommentiert:

  2. arjuna_de
    28. August 2012 um 08:45

    Was wäre bie diesem Pseudo-Vollgeld, dem 100%-Money des IWF, die zu erwartende Konsequenz für dn Goldpreis? Und welche Auswirkung hätte echtes Vollgeld aufs Gold? Was meint Ihr?

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