Wie verhält es sich mit dem Eigenkapital?

Die Eigenkapital-Vorschriften begrenzen den Geldschöpfungsfaktor/-multiplikator nicht direkt, sondern sind eigentlich nur eine Riskoabschwächung für die Gesellschaft/die Bürger, damit die Banken bei einer Krise einen (grösseren) Teil des Schadens bzw. Ausfalls selbst bezahlen könnten.
Kurz gesagt: mit der Vorgabe von 10-20% Eigenkapital werden die Banken zukünftig Dutzende von Milliarden CHF an „Schäden/Verlusten“ selber finanzieren können. Das heisst, die Zweckgesellschaft (Staat, SNB) müsste bei einer erneuten UBS-Krise gleichen Ausmasses nicht mehr 68 Mrd. auffangen, sondern „nur“ noch einige Milliarden CHF Steuergelder aufwenden. Eine zukünftige, vermutlich dann stärkere Krise scheint sehr wahrscheinlich. Der Verein MoMo unterstützt die Forderungen nach mehr Eigenmittel, damit die Banken für ihre Risiken selber vermehrt haften (und somit weniger „gefährlich“ agieren), aber an der Möglichkeit Geld zu schöpfen ändert es systemisch gar nichts. In einem Vollgeldsystem wären somit die Eigenmittel je nach Risikoübernahme weiterhin bei z.Bsp. 10-20% wünschenswert, aber die Mindestreserve würde automatisch 100% entsprechen. Das Eigenkapital hat übrigens nichts mit der Liquidität zu tun.
Liquidität –> Aktivseite der Bilanz, Eigenkapital –> Passivseite der Bilanz.
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Hier eine lesenswerte Kolumne aus dem Tages-Anzeiger vom 20.9.2011 von Rudolf Strahm zum Thema Eigenmittel.
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Weitere Erläuterungen gibt es bei der FAQ:
Wieso genügt Basel III nicht?
Bitte beachten Sie auch die FAQ:
Wie verhält es sich mit der Mindestreserve?
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Dieses Video erläutert Mindestreserve-, Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften:
http://www.positivemoney.org/2013/01/how-much-money-can-banks-create/
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  1. 13. April 2012 um 12:28

    Ja, die (ungewichteten!) Eigenmittel sind ein wichtiges Thema damit die Banken ihr Risiko selbst tragen müssen bzw. zumindest zu einem grösseren Teil. Damit wird der Steuerzahler/Staat im Krisenfall weniger davon betroffen bzw. muss weniger mittragen.
    Die Erhöhung des Eigenkapital stabilisiert somit zwar das Banken- und Finanzsystem (Symptom-Behandlung), ABER an der Geschäftspraxis der privaten Geldschöpfung aus dem Nichts ändert sich damit direkt nichts (auch nicht bei unpraktikablen 100% Eigenmittel). Der Geldschöpfungsgewinn (von 90% der Geldmenge) ginge weiterhin an die Banken und nicht an die SNB. Die Wirtschaftszyklen werden weiterhin durch die prozyklische Banken-Kreditvergabe verstärkt. Auch der Staat müsste sich weiterhin bei den Banken verschulden und Zinsendienst leisten…Es bleibt beim „Geld als Schuld“-System.
    Prof. Martin Hellwig in der BAZ zum Thema Eigenkapital:
    „Die Banken sind immer noch zu schwach“
    http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunktur/Die-Banken-sind-immer-noch-zu-schwach/story/20233822

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