Was passiert mit meinen Sparguthaben?

Einer der Vorteile der Reform liegt darin, dass sie keine dramatischen Veränderungen verlangt. Sie hat auf den täglichen inländischen oder ausländischen Zahlungsverkehr und die sonstigen finanziellen Angelegenheiten des Publikums praktisch keine Auswirkungen.
Die Giroguthaben werden nicht „entwertet“, sie werden gesetzlich umdeklariert zu Geldkonten der Kunden ausserhalb der Bankbilanz. Ab dem Zeitpunkt der Umstellung befinden sich nicht mehr Girogutschriften sondern Vollgeld, also Zentralbankgeld als unbeschränkt gesetzliches Zahlungsmittel auf diesen Geldkonten. Geldbesitzer sollten wissen, dass ihre unbaren, sofort/jederzeit verfügbaren Gelder auf den Geldkonten nicht mehr verloren gehen können, und dass es für diese Sicherheit keiner Staatsgarantie mehr bedarf. Im Gegenzug können die Besitzer von unbarem Geld nicht erwarten, dass ihre Gelder auf den Geldkonten verzinst würden. Man hat mit diesem Geld weder eine Forderung an jemanden noch eine Verbindlichkeit gegenüber jemanden.
Ein Anspruch auf Verzinsung entsteht erst, wenn Geldbesitzer ihre Gelder von Geldkonten auf Anlagekonten übertragen (Spareinlagen, Termineinlagen, usw.). Damit entstehen tatsächlich Anlagen(!) bzw. Guthaben(!) und somit Vollgelddarlehen der Kunden an die Bank, damit die Bank damit arbeiten kann (also um z.Bsp. dieses Geld Dritten per Darlehen zur Verfügung zu stellen). Die meisten Menschen denken, mit ihren Bankeinlagen würde doch heute genau das gemacht, nämlich dass die Bank mit ihrem Geld arbeitet. Aber dem ist nicht so.
Siehe die FAQ: Warum nehmen Geschäftsbanken überhaupt noch Depositen an?
Wenn nun also ein Geldbesitzer in einem Vollgeldsystem sein Geld vom Geldkonto auf ein Anlagekonto überträgt, so tätigt er ein geldflusswirksames Finanzgeschäft, genau wie beim Kauf eines Wertpapieres.  Jede Art von Finanzgeschäft unterliegt einem gewissen Risiko, auch in einem Vollgeldsystem. Dieses Risiko kann und soll der Staat den Bürger und Banken grundsätzlich nicht abnehmen. Für Geldkonten braucht der Staat nicht mehr zu garantieren, da sie positiven Bestand haben und in einer Krise nicht verschwinden können. Anlagevermögen dagegen, selbst einfache Spareinlagen/Sparguthaben (für welche wir „Risikozinsen“ erhalten), soll der Staat nicht zwingend verbürgen. Empfehlenswert wäre es jedoch, dass der Gesetzgeber auch künftig den Banken auferlegt, Depositen durch Einlagensicherungsfonds der Banken bis zu einem gewissen Grad abzusichern. Alles andere muss sein Risiko selbst tragen, sonst wird damit auf Kosten der Allgemeinheit Schindluder getrieben.
Quelle: Monetäre Modernisierung, J. Huber, 2011
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  1. Roger
    2. August 2013 um 01:15

    Was passiert, wenn eine Bank vor der Umstellung auf Vollgeld Firma A einen Kredit von 200 Millionen gibt. Firma A kauft von Firma B, die bei derselben Bank ein Konto hat, für 100 Millionen ein Gebäude, das aber nur 10 Millionen wert hat. Mit den anderen 100 Millionen kauft Firma A Maschinen bei Firma C, die ihr Konto bei einer anderen Bank hat. Die Maschinen haben auch nur einen Wert von 10 Millionen.
    Wird mit der Umstellung das Geld von Firma B und Firma C und den anderen Kunden bei beiden Banken zum unzerstörbaren Vollgeld? Oder müsste eine oder müssten beide Banken notfalls ihren Kunden Vollgeld ’streichen‘, wenn die Kredite von 200 Millionen nicht zurückbezahlt würden und nach dem Verkauf von Gebäude und Maschinen 180 Millionen fehlten?

    • 3. August 2013 um 15:44

      Besten Dank für Ihr Nachfragen.
      Tja, ihre Frage hat grundsätzlich nichts mit der Vollgeldreform zu tun, sondern damit, dass es die Kernkompetenz bzw. zumindest die Hauptaufgabe der Banken ist, Kredite nur an Personen/Unternehmen/Staaten zu geben, dessen Bonität sie geprüft haben (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Bonit%C3%A4t)…
      😉
      Im Vollgeldsystem verhält es sich nämlich gleich wie im heutigen „fraktionalen System“:
      Die Firmen B und C können natürlich ihr (Voll)Geld behalten (bzw. es kommt auf deren Bank bzw. sie nutzen das Geld anderweitig).
      Die Firma A hat auch nach der Umstellung auf Vollgeld weiterhin die Verpflichtung die 200 Millionen Kredit gemäss den ausgehandelten Konditionen/Laufzeit an die Bank zurückzuzahlen. Falls die Firma A (aufgrund der beiden Fehlkäufe) den Kredit nicht fristgerecht zurückzahlen kann, wird allenfalls ein Nachfolgekredit ausgehandelt oder die Firma muss Konkurs anmelden. Falls in der Konkursmasse der Firma A zuwenig „Mittel“ sind um all deren offene Verpflichtungen zu erfüllen, müssen deren Lieferanten, Mitarbeiter usw. oder konkret auch die kreditgebende Bank „Abschreibungen/Schuldscheine“ hinnehmen…
      „Business as usual“ egal ob fraktionales oder Vollgeld- System.
      Fazit: Egal ob vor oder nach dem Übergang ins Vollgeldsystem, es gelten die gleichen „marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen“.
      PS: Zu erwähnen ist noch, dass ja die kreditgebende Bank explizit „Sicherheiten“ verlangt, auf welche sie Zugriff nimmt, falls der Kreditnehmer den Kredit nicht mehr „bedienen“ kann…
      Bei Interesse verweise ich auf dieses etwas (zu) reisserische Video, im Zusammenhang mit der Petition an den Deutschen Bundestag: „Geldschöpfung im Strafrecht berücksichtigen“.

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