Warum nehmen Geschäftsbanken überhaupt noch Depositen an?

Wenn Geschäftsbanken zur Kreditvergabe kaum noch oder gar keine Depositen benötigen (siehe Was passiert bei der Kreditvergabe durch Banken?), dann stellt sich die Frage, warum nehmen heutzutage Geschäftsbanken überhaupt noch Einlagen/Depositen der Kunden an?
Nun, sie tun dies deswegen, weil eine Einlage eine befristete Stilllegung von ansonsten allenfalls täglich fälligen Verbindlichkeiten gegenüber Kunden bedeutet. Und für diese Zeit der Stilllegung müssen die Banken somit keine Reserven vorhalten (in Form von „Nationalbanken-Geld“, welches ja allenfalls auf Wunsch als Bargeld ausbezahlt werden müsste bei Sichtguthaben, also täglich fällige Verbindlichkeiten sind). Eine (Spar-)Einlage beugt somit einem Reserveabfluss vor. Neue Einlagen = Stillegung von Sichtguthaben = weniger Reserven für die Bank notwendig.
(Quelle: Monetäre Modernisierung, J. Huber, 2011, Seite 70)
Ein weiterer Punkt ist, dass dadurch eine „Kundenbindung“ entsteht. Alle Transaktionen innerhalb von Konten der selben Bank benötigen kein SNB-Geld (bzw. es droht kein Reservenabfluss). Dies ganz im Gegensatz zu Transaktionen welche zu anderen Banken getätigt werden, welche jeweils mit SNB-Geld unterlegt sein müssen (bzw. durch Interbankenkredite). Je grösser die Bank bzw. je mehr „interne“ Kunden und Konten desto weniger Reserven müssen gehalten werden bzw. desto weniger „Reserveabfluss“ droht.
Daraus folgt auch, dass wenn eine Bank, die Kredite in einem viel größerem Umfang als die übrigen „Haupt-Partnerbanken“ vergibt , wird feststellen, dass sie von ihren Kreditnehmern summenmäßig mehr Überweisungsaufträge zugunsten von Konten bei anderen Banken erhält. Es ist also im Sinne der Grossbank entweder alles „interne“ Kunden zu haben oder dass ihre Haupt-Partnerbank in ähnlichem Umfang wächst (damit die Interbanken-Kredite sich ausgleichend saldieren).
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Zusatzhinweis:
Durch Sparen verknappt sich auch gleichzeitig das Schuldentilgungsmittel (= das Geld im Umlauf verknappt sich, es schrumpft die Geldmenge M1). Dadurch steigt zwingend der Bedarf an neuen Krediten (damit wieder mehr Geld in Umlauf ist und die Geldmenge M1 wieder wächst). An diesen immer wieder zusätzlich nötigen Krediten verdient jeweils das Banksystem. Es werden (geringe) Guthaben-Zinsen auf die „stillgelegten“ Spargelder gezahlt, damit neue Schulden entstehen müssen auf welchen höhere Kreditzinsen verlangt werden (Zinsdifferenzgeschäft).
Wichtig: Es werden also nicht die Einlagen (Spargelder) der Kunden weiterverliehen, sondern die werden stillgelegt und neues „Geld“ wird erschaffen und in Umlauf gebracht („Giralgeld welches es vorher noch nicht gab, sondern jeweils durch Bilanzverlängerung durch die Kreditvergabe selbst entsteht).
PS: Auch daraus ergibt sich ein Wirtschafts-/Konsum-Wachstumszwang, weil zwingend neue Kreditnehmer (Unternehmen/Private/Staat) gefunden werden müssen, welche neues Geld in Umlauf bringen.
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