Warum kann die Zentralbank die Geldmenge nur sehr eingeschränkt steuern?

Da der grösste Teil (90%) der Zahlungsmittel unbar über Geschäftsbanken geschöpft wird, kann die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Geldmenge nur indirekt über den Zins steuern. Die Banken müssen Sicherheiten – gesetzliche Mindestreserven – von lediglich 2,5 Prozent der Kreditsummen als SNB-Guthaben vorweisen. Die Kontrollmöglichkeiten der Nationalbank sind mit einem „Hebel“ von 1:40 also marginal und reichen für eine Steuerung im gesamtwirtschaftlichen Interesse bei weitem nicht.*

Auch schöpft die SNB nur ca. 10% der kaufkräftigen Geldmenge M1 und 90% erzeugen die privaten Banken**. Die Geschäftsbanken „unterlegen“ ihr geschöpftes Kreditgeld im 3-Monatsdurchschnitt und per 20. jeden Monats mit den SNB-Mindestreserven. Sie haben somit die Möglichkeit sich auch erst im Nachhinein gemäss den gesetzliche Vorgaben zu „refinanzieren“. Die Initiative zur Ausweitung der Geldmenge liegt somit klar bei den Banken und die SNB „refinanziert“ dann je die gemachten Kreditvergaben. (Besonders zu beachten im Zusammenhang mit der „Too big to fail“ – Problematik)
Die Höhe der Geldmenge und der Kreditzinsen bestimmen somit die Geschäftsbanken aufgrund ihrer eigenen Einschätzungen und nicht die Nationalbank durch ihre wirkungslose Leitzinspolitik!
Siehe unter anderem Theoretisch falsch in der Handelszeitung 16.2.2012 oder in der FAZ 5.2.2012 Wie kommt Geld in die Welt?, dort besonders in der Grafik 1a) 1b) beachten. Ein sehr interessanter Beitrag des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger findet sich in der Financial Times Deutschland (FTD) vom 10.4.2012:
“Die Mickymaus-Modelle” der Ökonomen
Zitat: „In den Modellen agieren die Banken als reine Vermittler, die Ersparnisse einsammeln und sie als Kredite wieder zurück in die Wirtschaft geben. Diese Mickymaus-Modelle sind völlig realitätsfern. Der Finanzsektor braucht keine Einlagen um Kredite zu vergeben…“.

Das explosive (Giral-)Geldmengenwachstum, die wiederholte Blasenbildung  und die chronischen Finanzkrisen zeigen deutlich die mangelde Kontrollfunktion der SNB über die Geldmenge. Die immensen Geldmengen welche durch die Nationalbanken „eingeschossen“ werden dienen der „Stabilisierung“ des fragilen (Inter-)Bankensystems.
Auch mathematisch lässt sich die Wirkung einer Leitzins-Veränderung von z.Bsp. 0.5% auf die „geringe“ Nationalbankengeldmenge (von nur 2,5 -10% der Geldmenge) nicht belegen. Siehe dazu Mathematik und Leitzins.
Im Weiteren zeigt sich, dass die Mindestreserve in verschiedenen Staaten sehr unterschiedliche Grössenordnung haben, ohne die Geldschöpfung dadurch relevant kontrollieren zu können (einige Staaten 0%, EU 1%, Schweiz 2,5%, USA 10%, China 20%)

* Weitere für die Geldschöpfung nur indirekt relevante Banken-Regulierungen bestehen mit den Eigenmittel- und Liquiditäts-Vorschriften.
** Siehe SNB-Glossar und SNB-Geldmengenstatistik.

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