Warum greifen die Lösungsvorschläge zu kurz?

Entsprechend den häufig genannten Ursachen der Finanzkrise werden verschiedenste Massnahmen gefordert:
  1. Finanztransaktionssteuern (attac, diverse Regierungen und NGOs)
  2. OTC Geschäfte in amtlichen Börsenhandel überführen (Börsen und Organe der Finanzaufsicht)
  3. Offshore-Zentren auflösen (diverse Regierungen)
  4. Bonus-Systeme für Bankhändler und Bankmanager regulieren
  5. Eigenhandel verbieten (Volcker rule)
  6. Ratingagenturen Vorgaben machen, oder zusätzlich staatliche Ratingagenturen einführen (staatlichen Wertpapier-TÜV)
  7. Bestimmte Wertpapiere verbieten, etwa bestimmte ’strukturierte Produkte‘ wie zum Beispiel gut-schlecht-gemischte Verbriefungen (forderungsbesicherte Papiere)
  8. Lückenlose transparente Bankbilanzen, insb außerbilanzielle Posten internalisieren bzw bestimmte Arten von Zweckgesellschaften verbieten (Special Purpose Vehicles, über die o.g. Verbriefungen vertrieben werden).
  9. Erhöhte Eigenkapitalanforderungen (Basel II → III) umgesetzt gemäß EGRichtlinien in dt. Kreditwesengesetz, Solvabilitäts- und Liquiditätsverordnung
  10. Mindestliquidität für 30 Tage
  11. Kreditausweitungsbremse in Form eines bestimmten Mehrfachen des Eigenkapitals und liquidierbarer Handelspositionen (Drittrangmittel)
  12. Wiederherstellung des Glass-Steagall-Gesetzes in den USA (Trennung Good-guy-Kundenkreditbanken Bad-guy-Investmentbanken) Trennbankenordnung
  13. Abtrennung des Zahlungsverkehrs und Depositenbankings von anderen Bankgeschäften (I.Fisher 1934, M.Friedman 1960, J.Tobin 1987, M.Allais, R.Gocht 1978, Huber/Robertson 2000, M.King 2010, J.Vickers Comm. 2011 u.v.a.)
Die bisher genannten Ursachenanalysen lassen sich mehr oder weniger untermauern und die davon abgeleiteten Maßnahmen sind teils mehr, teils weniger nützlich.
Sie beantworten aber nicht grundlegende Fragen, zum Beispiel:
Woher kommt der beständige Anlagedruck infolge überschüssiger Gelder?
Woher kommt die wiederkehrende Versuchung, und die tatsächliche Möglichkeit, sich immer höher zu verschulden (leverage), um trendspekulativ Finanzanlagen aufzuhebeln? Die genannten Ansätze (bis auf Trennbanken (13)) verkennen, und thematisieren allesamt nicht, die grundlegende systemische Ursache der fortgesetzten Instabilität des Bankensystems und der Krisenanfälligkeit der Geld- und Finanzordnung, gleichsam die ‚Ursache der Ursachen‘, jedenfalls die Hauptursache aller jüngerer Banken- und Finanzkrisen:
die praktisch ungebremste Ausweitung der Geldmengen im Zuge der Kreditausweitung des Bankensektors (multiple Giralgeldschöpfung, fraktionales Reservebanking). Die Giralgeldschöpfung durch die Banken hat sich einer Geldmengenkontrolle durch die Zentralbanken zunehmend entzogen.
Die verschiedenen Maßnahmen werden auf Dauer wenig bis nichts fruchten solange nicht eine lückenlose Kontrolle über die Geldmenge M1 (wieder) erlangt wird, und zwar durch eine Vollgeldreform.
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